Autor: Rainer Wolf

Am 06. August 1954 – also vor über 60 Jahren meldete Paul Wölk das Gewerbe mit der Bezeichnung „Verkaufsstelle für Motorräder, Zubehör, Ersatzteilen, Kraftfahrzeugmechaniker-Betrieb“ an. Das war ein mutiger Schritt!.

1954 wurde Deutschland erstmalig Fußball-Weltmeister. Toni Turek im Tor, Helmut Rahn, Fritz und Otmar Walter sind bis heute unvergessen. Die deutschen Fußballer verbrachten das „Wunder von Bern“ und schlugen den haushohen Favoriten Ungarn 3 : 2.

Damals litt Deutschland noch stark unter den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Doch nun waren wir Fußball-Weltmeister. Heute sehen viele Politologen und Soziologen in dem Sieg in Bern sogar das Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland und als Antrieb des folgenden Wirtschaftswunders.

Ob der Fußballweltmeisterschaftstitel Paul Wölk beflügelte, sein Gewerbe zu eröffnen ist nicht überliefert. Jedenfalls ging es auch in Wuppertal langsam aufwärts.

Dort wo schon der Vater Emil Wölk eine Fass- Bottich- und Barken-Fabrik betrieben hatte – in der Friedrich-Ebert-Straße 474 – wurden nun vor allem Motorräder repariert. In den ersten acht Jahren ausschließlich in dem Gebäude der heutigen Werkstatt. Wohnraum war noch knapp in Wuppertal, also wohnte man auch noch dort wo man arbeitete.

Peter Steiner war der erste Mitarbeiter, ein Speziallist für Zweitakter. Mit einfachem Werkzeug wurde an Horex, DKW, Puch, Adler oder BMW und Zündapp geschraubt. Spezialwerkzeug wie heute gab es damals noch nicht und so wurde ständig improvisiert. Die dicke Zündapp KS 600 war damals das non plus ultra. Die Motorräder hatten meist schon einiges erlebt, denn es waren größtenteils Kriegs- oder gar Vorkriegsmodelle. Förderlich für den Start des Unternehmens Wölk war auch, dass die PKW-Produktion während des Krieges gestoppt worden war, während die Motorradfabriken weiterliefen. So fand der Start in die Mobilität der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg in großen Teilen auf zwei Rädern statt. Auch waren für viele Leute zunächst nur motorisierte Zweiräder erfüllbare Träume. An Autos, wie z.B. am Volkswagen Käfer war – auch wegen des eines fehlenden PKW-Führerscheins Klasse III – häufig nicht zu denken. So gab es zunächst für die Firma Wölk einiges zu tun.

Doch schon bald nutzten findige Hersteller die Regelung, dass der alte Führerschein IV auch für Kraftfahrzeuge bis 250 Kubik Hubraum galt. Wer kennt sie noch, die Goggomobile, Messerschmitt Kabinenroller und die BMW Isetta?

Diese brachten der Motorradbranche bald große Probleme. Doch Paul Wölk reagierte flexibel und reparierte fortan überwiegend Motorrasenmäher, Nähmaschinen und was sonst noch so gebracht wurde. Daneben hatte Paul Wölk einen treuen Kundenstamm, der weiter auf zwei Rädern unterwegs war. Abends um 10 konnte man klingeln – und es wurde noch eine Lösung gefunden. So entstand ein enger Kontakt zu den Kunden, die zu Freunden wurden. So entstand auch eine Geschäftsphilsophie, die bis heute Bestand hat.

1962 konnte das Wohn- und Geschäftshaus gebaut werden. Die beengten Wohnverhältnisse hatten ein Ende und es gab einen Verkaufsraum.

Die Firma Paul Wölk spezialisierte sich auf den Ersatzteilvertrieb, übernahm die Hercules-Vertretung und kümmerte sich eine kurze Zeit sogar um Renault PKWs.

Mitte der 60er Jahre gelang es Paul Wölk die erste Honda Vertretung in NRW in Wuppertal zu etablieren. Die erste Honda in Wuppertal, eine blaue 250er, kam aus dem Hause Wölk. Immer wenn eine neue Maschine vorgestellt wurde, kam der Verkehr in der Friedrich-Ebert-Straße zum Erliegen. Samstags standen die Leute Schlange, um Ersatzteile zu kaufen. Was nicht da war wurde bald besorgt. 1971 trat Manfred Wölk in die Firma ein.

1974 wurden die Deutschen wieder Fußball-Weltmeister. Sepp Maier, Berti Vogts, Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Uli Honeß, der später als Steuerhinterzieher groß raus kam, besiegten das Team der Niederländer. Der wirtschaftliche Aufschwung ging weiter.

1977 wurde das Wohn- und Geschäftshaus an der Friedrich-Ebert-Straße 476 bis 480 weiter ausgebaut. Wie stand in der Zeitung damals: „Am Wochenende wurden die neuen Ausstellungsräume eingeweiht. Bei Bier, Erbsensuppe und viel Fachsimpelei wurde die Einweihung zu einem wahren Festival der heißen Öfen. Unser Bild zeigt Paul Wölk, kurzerhand meist „Onkel Paul“ genannt, auf einer BMW 1000 S und seinen Sohn Manfred auf einer 50 ccm Honda Monky vor dem erweiterten Betrieb“.

Neue Hondamodelle sorgten weiterhin für großes Interesse. Ab Mitte der 70er- bis Anfang der 80er Jahre erlebten die 50iger ihre Hochzeit. Schüler, Studenten und so Mancher, der ein Teil für die Kurzstrecke suchte, stieg auf ein Moped oder Kleinkraftrad. Das Geschäftsfeld wuchs. Eine Yamaha-Vertretung kam hinzu.

Was war 1990 – klar! Wir wurden wieder Weltmeister, diesmal mit Franz Beckenbauer als Trainer und Andreas Brehme als Schützen des Siegtreffers gegen Argentinien.

Und wieder wurden es gute Jahre für das Motorradgeschäft. Das Motorrad Center Paul Wölk hatte mehrere Mitarbeiter und bildete beständig Lehrlinge aus. Der erste hieß Markau mit Nachnamen und wechselte später nach BMW. In der Wuppertaler Szene bekannt geworden sind beispielsweise Detlef Krumreihn und Stephan Gollwig, die sich in Wuppertal selbständig gemacht haben.

1994 trat Ralph, der sich in seiner Jugend einen gewissen Ruf als Heizer, Motorcrosser und Motorradverschrotter der individuellen Art erarbeitete hatte, in die Firma ein. Es wurde gut verdient in der Branche und die Löhne waren entsprechend. Die Halle war voll und es mussten Räume angemietet werden, um die angelieferten Maschinen unterzubringen. Die Motorradhersteller umwarben ihre Händler, luden diese zu Geschäftsreisen nach Japan und Brasilien ein oder veranstalteten opulente Händlerzusammenkünfte.

Paul Wölk leitete das Motorrad-Center Wölk weiterhin in seiner bekannten Art und pflegte damit seine treue Kundschaft. Immer noch galt, egal wann du kamst, dass passende Ersatzteil war für dich da und der Einbau ging schnell. Der Umgangston war … kameradschaftlich.

Doch es kam die Zeit der Computer, der großen Showrooms. Windige Händler, die nur verkaufen im Sinn hatten, traten auf dem Markt. Saturn und Media-Markt prägten den Slogan „Geiz ist geil“ und die Kundschaft wurde immer komplizierter. Nun ist die Jugend ist auch nicht mehr das was sie mal war und leiht sich lieber das Zweit-Auto von der Mama aus. Jedenfalls, das Geschäft ist schwierig geworden.

Doch Ihr wisst was kommt! Die Wende naht! Wir sind wieder Fußball-Weltmeister! Haben uns von den langen Fernsehnächten erholt und staunen über die neuen Yamaha-Modelle sowie die steigenden Verkaufszahlen von Yamaha.

Mittlerweile sind wir ein freier Zweirad- Meisterbetrieb mit einer kleinen Werkstatt unter Leitung von Zweiradmeisterin Lena Wölk. Auch Manfred Wölk ist noch immer im Kundenservice tätig.